„Yes, we Camp“, spanienweit

Spaniens desillusionierte junge Generation steigt für „mehr Demokratie“ auf die Barrikaden und fordert einen Systemwechsel
Unter dem Motto, „Yes we Camp“ schlagen von der Politik enttäuschte junge Spanier Protestlager an neuralgischen Plätzen der Städte des Landes auf. Sie sind gekommen um zu bleiben und üben starken Druck just in der Endphase des spanischen Kommunalwahlkampfes aus.
Jan Marot aus Granada

Sie haben es satt, sie skandieren, der „soziale Frieden hat ein Ende“ und fordern eine Demokratie ein, die den Namen auch verdiene. Spanienweit schlugen frustrierte junge Spanier, denen verstaubtes Lagerdenken zwischen Links und Rechts zu wieder ist, die ihre Zukunft durch den aktuellen Kurs, der sich nicht einzig und allein auf ad-hoc Sparmaßnahmen in Krisenzeiten festmachen lässt, zu tausenden ihre Zeltlager auf.
Über 2000 verbrachten die Nacht an Madrids Puerta del Sol, und emblematischen Plätzen landesweit, um gegen den Status Quo des Politsystem – kontrolliert durch die wie die Demonstranten meinen Zweiparteienmacht der Sozialisten (PSOE) und der Konservativen (PP) als „PPSOE“ zu protestieren. Eines, das ihrer Ansicht nach mit für eine Jugendarbeitslosigkeit von fast 50 Prozent verantwortlich ist. Raten, in Sphären, die derzeit einige der Umbruchstaaten im Maghreb aufweisen.
Diese wissen noch nicht so ganz, wie sie mit der Bewegung des „15. Mai“, „Demokratie, jetzt“, umgehen sollen. Auch um noch wenige Tage vor den Kommunalwahlen am kommenden Sonntag, die wohl ein herbes Debakel für die regierenden Sozialisten unter Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero bringen werden, gar noch Profit an den Urnen zu schlagen. Die einen tönen, „Linksradikale“, andere – konservative wie sozialistische – Politiker zeigen ihre Unterstützung in dem Anliegen, Politik bürgernäher zu gestalten.
In der Nacht auf Mittwoch räumte die Polizei einige der Protestcamps, wobei es zu Handgemengen kam. In Granada, wo die Bewegung am vergangenen Sonntag die größte Mobilisierung landesweit mit mehr als 5000 Menschen erreichte, kam es zu drei Festnahmen. In Madrid wurden 24 Demonstranten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt abgeführt. Doch die Demonstranten lassen sich nicht abbringen, und wollen geräumte Plätze wieder besetzen. „Jetzt erst Recht“, tönte es über Twitter auf #nonosvamos (wir gehen nicht), #yeswecamp oder #spanishrevolution.
Maßgeblich tragen wieder soziale Netzwerke und Kurznachrichten per Twitter zur Mobilisierung bei. Auch die Netzaktivisten von Anonymous stützen die Bewegung und rufen zu spontanen Kundgebungen vor der spanischen Botschaft in London auf. Demnach sind auch deren Guy Fawkes-Masken der Renner. Bleiben wollen die Demonstranten zumindest bis Sonntag. Wenn man sie lässt.
Hier geht es zu den Tweets über die weltweiten Demonstrationen:
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Kommentare (1)
Re: „Yes, we Camp“, spanienweit
Da wäre doch unser Polittalk sicher interessant.