Ein Bomben sicheres Geschäft

Die Tinners:
Am 23. Mai 2008 gab der Innenminister der Schweiz, Pascal Couchepin, bekannt, dass 30.000 Akten und Computerdokumente über einen Atomdeal mit dem Iran und dessen Inhalte, über die man seit 2003 verfügt, bereits Ende 07 unter der Aufsicht der IAEO vernichtet wurden, „um dem Diebstahl der Akten vorzubeugen“. Die "hochbrisanten" Dokumente, so Couchepin, hätten "insbesondere detaillierte Baupläne für Nuklearwaffen, für Gas-Ultrazentrifugen zur Anreicherung von waffenfähigem Uran sowie für Lenkwaffen" enthalten. Sie stammten aus dem Umfeld von Khans Netzwerk, genauer handelt es sich dabei um die Familie Tinner, Friedrich Tinner mit seinen beiden Söhnen, Urs und Marco Tinner. Friedrich Tinner arbeitete, laut einem kürzlich erschienen NY Times Artikel (Link), schon seit der Mitte der 70ér mit Khan zusammen und wie sich nun herausstellt auch einige Jahre für die CIA. Das Khan- Netzwerk war aufgeflogen, nachdem im Spätherbst 2003 das deutsche Frachtschiff BBC China mit Nukleartechnologie für Libyen an Bord gestoppt worden war.
Im Februar 2004 hatte ein malaysischer Polizeibericht nicht nur den in Malaysien festgenommenen Finanzchef Khans, Buhary Syed (Seyed) Abu Tahir, sondern auch Urs und Friedrich Tinner als mutmaßliche Lieferanten Khans genannt. Die malaysische Polizei gab überdies bekannt, dass Khans Finanzexperte Tahir, die in den Iran gelieferten Zentrifugen von der Firma Scope, 3 Mio. Dollar von einem unbekannten Iraner erhalten habe, welche u.a. von Kamaluddin Abdullah, dem Sohn des malaysischen Ministerpräsidenten kontrolliert wurde. Die Lieferung beinhaltete 2 Container mit Uran- Zentrifugen und wurden in einem Appartement, in dem so genannten „Gasthaus“ in Dubai wie es Khan zu nennen pflegte, zwischengelagert.
Danach wurden die Tinner in Deutschland festgenommen und später an die Schweiz ausgeliefert. Friedrich Tinner wurde derweilen auf freien Fuß gesetzt, die beiden Söhne sitzen aber dennoch seit mehr als einem Jahr in Untersuchungeshaft. Zehn Millionen Dollar, ein Teil davon übergeben in Koffern voller Bargeld, so viel allein erhielten die drei Tinners dem Bericht zufolge als Agentensalär vom US-Auslandsgeheimdienst. Im Gegenzug lieferten sie nicht nur Informationen aus dem Inneren des Schmuggelrings, sondern halfen der CIA auch, den Kunden Khans sabotierte Teile unterzujubeln, um deren Atomprogramme aufzuhalten. Das Geld kam und soviel ist bereits sicher, von der CIA sowie auch die für die USA extrem kompromittierend Unterlagen, die vernichtet worden sind. Laut dem zuvor erwähnten Berichte waren auch im Khan-Netzwerk, die deutschen Gotthard Lerch und Gerhard Wisser und der Brite Peter Griffin maßgeblich beteiligt.
Gotthard Lerch:
Der Prozess in Stuttgart am 05.06.08 wurde wegen “Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie gegen das Außenhandelsgesetz am Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichtes des Angeklagte -Gotthard Lerch- vertagt, da Richter und Verteidigung sich über Zuständigkeiten stritten. Der Ingenieur Lerch hat bis zum neuen Prozess -Anfang 09- gut lachen und kann sich in ruhe zurücklehnen, trotz seiner mutmaßlichen Stellung innerhalb des Khan- Netzwerks. Der Grund für die Vertagung war “unerklärliches” Verhalten der deutschen Bundesanwaltschaft, so Richter Seidling damals wörtlich. Der Ingenieur und Experte für Vakuumtechnik wurde bisher noch nie wegen seiner zahlreichen mutmaßlichen Atomschmuggel-Aktivitäten verurteilt. Lerchs Spuren in deutschen Ermittlungsakten führen zurück bis in die späten Siebziger. Damals ist er gerade Mitte dreißig, hat Maschinenbau studiert und seinen ersten Stellenwechsel hinter sich: Bei Dornier, dem Flugzeugbauer, hat er 1967 und 1968 auch an der Entwicklung von Gasultrazentrifugen gearbeitet. Es ist jene Technik, die ihn so interessant macht - später für Khan, erst mal aber, 1971, für die Hanauer Firma Leybold-Heräus.
Bei der Firma Leybold steigt er bald zum Bereichsleiter auf, Spezialgebiet: kerntechnische Anlagen. Schon 1979, als sich Beamte des deutschen Wirtschaftsministeriums besorgt nach Leybold-Geschäften erkundigen, erklärt Lerch, dass seine Firma Ventile, Vakuumpumpen, und eine Gasreinigungsanlage für 1,3 Millionen Mark nach Pakistan geliefert habe. Darunter das eine oder andere, was "für die Verwendung in einer Anreicherungsanlage umgebaut werden könnte", wie die Ausfuhrkontrolleure notierten. Und nach 1983 füllen schließlich Ermittlungsakten über Lerch ganze Regale. Lerch soll hochgeheime Konstruktionspläne des europäischen Urananreicherungs-Programms in die Schweiz geschmuggelt haben. Zwei Jahre später wird Tonnen an Gerät Richtung Pakistan geliefert, das aussieht, wie nach den Blaupausen gebaut. Lediglich drei große Hochdruckbehälter, so genannte Autoklaven, kann der Schweizer Zoll damals noch abfangen. Mehr als ein Jahr dauert es, bis die Kölner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Lerch aufnimmt, doch 1992 geben die Fahnder wieder auf: Einige Vorwürfe sind verjährt, bei anderen scheitern die Ermittler auch deshalb, weil die Schweizer keine Informationen liefern.
Der Grund für die jetzigen Vertagung soll sein, das Bundesanwaltschaft, der deutsche Auslandsgeheimdienst BND, das deutsche Bundeskriminalamt BKA sowie das dem deutschen Finanzministerium unterstehenden Zollkriminalamt ZKA Akten nicht vorgelegt hatten und Erkenntnisse zurückgehalten wurden. Insgesamt 13 Mal wurden von der Bundesanwaltschaft widerwillig Akten nachgeliefert und auch nur auf ausdrückliche Nachfrage des Gerichts. Ein Nachtrags-Rechtshilfe-Ersuchen an die Schweizer Behörden blieb laut Aussage von Richter Seidling im Laufe des Verfahrens gegen Lerch einfach unbeantwortet. Das Gleiche galt für eine Anfrage in Liechtenstein. Dabei war vorher Lerchs mutmaßlicher Komplize Urs Tinner im März 2006 in Deutschland festgenommen und inhaftiert worden. Was er aussagte, blieb jedoch geheim. Die Akten kamen nie beim Tinner- Prozess gegen Lerch an.
Der für gewöhnlich gut informierte deutsche Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom überraschte mit der Aussage am 05.06.08 gegenüber dem Schweizer Magazin “10vor10″, dass Atombomben-Baupläne von Lerch und den Gebrüder Tinnern nicht nur nach Libyen, sondern auch in den Iran gelangt seien. Doch die Pläne seien von der CIA und anderen westlichen Geheimdiensten manipuliert worden, bevor diese an den Iran weitergereicht wurden.
Gerhard Wisser:
Lerch, die Tinners - der Nächste im Bund der Atomschmuggler soll der Deutsche Gerhard Wisser sein. Gerhard Wisser, 65, deutscher Ingenieur mit Wohnsitz in Südafrika, soll dafür verantwortlich sein, dass sich das weltweite Khan- Netz bis nach Südafrika spannte. So wie Urs Tinner in Malaysia die Produktion bei der Firma Scope überwachte, so sei Wisser angeblich bei einer Firma am Kap, die nach Ansicht der Fahnder ebenfalls für die libysche Bombe fertigte. 850 000 Euro hat er bei dem Geschäft von Khans rechter Hand Tahir bekommen, so viel steht fest. Und der Mann, der ihn ins Geschäft brachte, soll einer seiner ältesten Freunde gewesen sein: Gotthard Lerch. Als die Polizei Wisser festnehmen wollte, traf sie ihn nicht zu Hause in der Luxusvilla in Bryanston am Kap an, sondern in Durban, im 34. Stock des Maluti-Komplexes, den die Hausverwaltung als "prestigeträchtiges Gebäude mit luxuriösen Privatappartements" anpreist. Die 34. Etage ist das Penthouse, mit Blick auf eine Bucht, die aus gutem Grund "Bay of Plenty" heißt: ein 100 Meter breiter Sandstrand mit Palmen am Indischen Ozean. Die 34. Etage in dieser Traumlage schätzen Kenner auf fünf bis sechs Millionen Rand, mindestens. Das gehöre ihm ja gar nicht, argumentiert Wisser, er habe dort nur lebenslanges Wohnrecht. Der wahre Eigentümer, das sei vielmehr Gotthard Lerch.
Es soll denn auch ein Arthroseleiden gewesen sein, das Wisser, vermutlich im Jahr 2001, ins warme Dubai führte, wegen der Hüftknochen zufolge. Wo er dann von einem reichen Kaufmann zum Dinner eingeladen worden sei, genauso wie Lerch, aber ohne dass sie vorher gewusst hätten, dass der andere ebenfalls kommen würde. Und bei dem Essen habe auch der Chefeinkäufer Khans mit am Tisch gesessen. Alles Zufall? An jenem Abend, so Wisser, habe ihn Tahir gefragt, ob die Firma Krisch für ihn ein Rohrsystem bauen könne - das also war der Beginn jenes Auftrags, der in Pelindaba endete, auf Area 26. Weil er dringend das Geld brauchte, habe er sich breitschlagen lassen. Area 26 ist ein schmutzig-brauner Klotz, 20 Meter hoch, 200 Meter breit, der Ort, an dem internationale Experten nachvollziehen können, wozu Khan fähig war. Der Ort wo sich Ärea 26 befindet gab es früher gar nicht, offiziell zumindest. Er ist bis heute auch auf keiner Straßenkarte verzeichnet. Der Ort heißt Pelindaba, was in der Sprache der Zulus "Schweig!" bedeutet. Es ist jener Ort, an dem das Apartheid-Regime von Südafrika lange versucht hat, seine eigene Atombombe zu bauen.
Sperrbezirk, immer noch, von wo aus Libyen, Iran und Nordkorea die Komponenten und Bauanleitungen erhielten, Tonnen an Ausrüstungen mit zig tausende Dokumenten!
Nach dem Dubai-Trip fiel ihm auch gleich ein Unternehmen ein: die Tradefin, im südafrikanischen Vanderbijlpark, ein Metallbauer, spezialisiert auf Vakuumtechnik. Dessen Chef Johan Meyer hatte gelegentlich nachgefragt, ob die Krisch Engineering nicht ein paar Aufträge für ihn habe. Und dann, sagt Wisser, habe er Tahir eben diese Tradefin genannt. Danach habe Tahir dem Krisch-Ingenieur Daniel Geiges auch irgendwelche Pläne geschickt, in die Wisser selbst aber gar nicht hineingeschaut haben will, und damit habe die Tradefin schließlich gearbeitet.
Der erste der seine Haut bei dem Zusammensturz des 30 jährigen Kartenhauses retten wollte war Meyer, der Tradefin-Chef. Am 2. September 2005 hatte die südafrikanische Polizei ihn festgenommen. In der mittleren Halle seiner Firma, hinten an der Wand, standen elf Seecontainer mit 200 Tonnen Gerät, fertig zum Verschiffen. Die Akten, die den Ermittlern dazu in die Hände fielen, enthielten Daten für eine Anlage mit 1000 Gasultrazentrifugen, Konstruktionszeichnungen für Autoklaven, ziemlich genau jenen, die auch in den Containern lagen.
Wenn also die derzeitige oder die nächste US- Regierung behauptet, das der Iran die Bombe baut, dann kann man ihnen Glauben schenken, den die CIA hat es sicherheitshalber geliefert!
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Kommentare (1)
Re: Ein Bomben sicheres Geschäft
Ist gerade auch nicht sonderlich aktuell, gibts dazu schon weitere Erkenntnise?