Initiative Zukunftsenergien

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Verstädterung

Im Zuge des Anstiegs der Weltbevölkerungszahl von 2,5 Milliarden Menschen im Jahr 1950 über 6,5 Milliarden 2005 auf schätzungsweise 8,2 Milliarden im Jahr 2030 verändern sich auch die jeweiligen Anteile der Land- und Stadtbevölkerung. Lebten 1950 nur 29 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, sind es gegenwärtig schon etwa die Hälfte. Bis 2030 wird sich der Anteil nach Schätzungen des UN/DESA auf etwa 61 Prozent weiter erhöhen.

Bereits heute leben in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten zweieinhalb so viele Städter wie in den ökonomisch entwickelten Staaten. In Afrika hat sich die absolute Zahl der Stadtbevölkerung zwischen 1950 und 2005 mehr als verzehnfacht, in Asien im selben Zeitraum nahezu versiebenfacht. Allein in China und Indien hat sich die absolute Zahl der Stadtbevölkerung seit 1950 um über 715 Millionen erhöht. Im Jahr 2030 werden in China 875 Millionen und in Indien 600 Millionen Städter leben.
Die Hauptgründe für die absolute und relative Zunahme der Stadtbevölkerung in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten sind das hohe Bevölkerungswachstum auf der einen und der Zuzug von Personen aus ländlichen Gebieten auf der anderen Seite.

Parallel zum Wachstum der Stadtbevölkerung hat sich auch die Anzahl der Millionenstädte erhöht. Existierten im Jahr 1800 weltweit nur zwei Millionenstädte, waren es 1900 schon 17 – neun in Europa, vier in Nordamerika und vier in Asien. Von den 86 Millionenstädten im Jahr 1950 befanden sich etwa die Hälfte in Europa (30) und Nordamerika (14). Im Jahr 2000 lagen 194 der weltweit 387 Millionenstädte in Asien. In Europa (62) und Nordamerika (41) gab es im selben Jahr zusammen kaum mehr Millionenstädte als in Südamerika und der Karibik (49), Afrika (35) und Ozeanien (6). Auch die Größe der Städte hat sich gewaltig gewandelt. Im Jahr 1800 hatten die 100 größten Städte durchschnittlich 187.000 Einwohner, im Jahr 1900 waren es bereits 725.000. Nur 50 Jahre später lag die durchschnittliche Einwohnerzahl der 100 größten Städte bei 2,2 Millionen und im Jahr 2000 stieg die entsprechende Zahl auf 6,3 Millionen.
In 19 der 100 größten Städte lag die Einwohnerzahl im Jahr 2000 bei über 10 Millionen. Für 2015 wird sich die Zahl der so genannten Megacitys auf schätzungsweise 23 erhöhen, wobei in fünf dieser Städte über 20 Millionen Menschen leben werden.

44 der 100 größten Städte befanden sich im Jahr 2000 in Asien; 16 lagen in Südamerika und der Karibik, jeweils 15 in Europa und Nordamerika, acht in Afrika und zwei in Ozeanien. 100 Jahre zuvor lagen noch 53 der 100 größten Städte in Europa und 22 in Asien. 200 Jahre zuvor glich das Verhältnis zwischen Asien und Europa eher dem heutigen, denn im Jahr 1800 befanden sich 65 der 100 größten Städte in Asien und lediglich 28 in Europa.

Gerade in den ökonomisch am wenigsten entwickelnden Staaten besteht das Problem, dass die Städte durch den Zuzug der armen Landbevölkerung vor unlösbare Probleme gestellt werden. Vielfach kann die Infrastruktur nicht mit der Expansion der Städte mithalten. Dies kann dazu führen, dass sogar elementare Bedürfnisse wie die Wasserversorgung nicht mehr befriedigt werden können. Die Wasserverfügbarkeit ist häufig nicht nur zu gering, sondern wird dauerhaft übernutzt und meistens durch Verschmutzung durch große Abwassermengen zusätzlich verringert.
Die unkontrollierte Zuwanderung in die Städte, das rasante Bevölkerungswachstum und die hieraus resultierende Überforderung der Infrastruktur hat die Verslumung großer städtischer Gebiete zur Folge. Gegenwärtig leben etwa 30 Prozent aller Städter – etwa eine Milliarde Menschen – in Slums mit dürftiger Wasserversorgung bzw. Abwasserentsorgung, unzureichender Hygiene und häufig fehlendem staatlichen Schutz.

URL: http://www.bpb.de/wissen/6ODQKG,0,0,Verst%E4dterung.html